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GERHARD RICHTER

GERHARD RICHTER – Person, Werk, Relevanz

„Ich verfolge keine Absichten, kein System, keine Richtung, ich habe kein Programm, keinen Stil, kein Anliegen. Ich halte nichts von fachlichen Problemen, von Arbeitsthemen, von Variationen bis zur Meisterschaft. Ich meide jede Festlegung, ich weiss nicht, was ich will, ich bin inkonsequent, gleichgültig, passiv, ich mag das Unbestimmte und Uferlose und die fortwährende Unsicherheit.“ (Notizen, 1966, S. 46).​

Es ist schwer zu erklären, welche Faszination Gerhard Richter schon immer auf mich ausgeübt hat. Ist es sein internationales Renomme? Sind es die schier unglaublichen Preise, die für seine Werke auf Auktionen der großen Häuser aufgerufen werden? Ist es seine Person, sein ruhig-verhaltenes Wesen, sein NRW-Sprech, der leicht frotzelnd bei allem stets den Schalk im Nacken sitzen hat? Oder sind es die dunklen Geschichten seiner Familie aus einer längst vergangenen Zeit, dem braun gefärbten Erbe Deutschlands? Ist es seine Ver- und Getriebenheit? Oder sind es schlichtweg Richters meisterhaft-kühlen Werke, das Vage im Duktus, die Präzision der Komposition, das Subtile im Bild, das, letztlich, jedes Gefühl auf der Leinwand negieren möchte?

Genau kann ich es nicht sagen. Es ist wohl von allem etwas.

 

Bei der Beschäftigung mit Gerhard Richters Werk fällt jedoch eines ganz klar ins Auge: Das, was zu sehen ist, ist Resultat eines intensiven Findungsprozesses. Gerhard Richters Werk setzt sich aus Autobiografie, Zufall, historischem Kontext und profundem technischem Know-how zusammen. Die Genese seiner Werke liegt dort, wo diese Bereiche ineinander verschwimmen und ein unvergleichbares Werk entstehen lassen.

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Gerhard Richter – wie fing alles an?

1932

1948-1951

1948-1951

Geburt am 9. Februar in Dresden

Ausbildung als Bühnenmaler in Zittau

Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden (DDR)

Wandgemälde Lebensfreude von Gerhard Richter aus dem Dresdner Hygienemuseum.

Gerhard Richter: „Lebensfreude“

Wandgemälde Hygienemuseum Dresden, Jahr: 1956

5 Jahre Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Dresden brachten Richter eine solide Ausbildung in Portraitmalerei und Figurstudien ein. Der Künstler erlangte hier ein solides Fundament an handwerklichem Können, das für seine weitere Laufbahn als Maler wichtig war. Auffallend hierbei: Richters Vorliebe für komplexe, vielschichtige und großformatige Figurenkompositionen.

Richter entwickelte ein starkes Interesse an realistischer Wandmalerei. Darum wohl entschied er sich auch für ein Wandgemälde im Dresdner Hygienemuseum mit dem Titel „Lebensfreude“ als Diplom- bzw. Abschlussarbeit seiner Studienzeit in Dresden (1956).

 

2024 wurde es nach langer Übermalung teilfreigelegt. Es zeigt tanzende Kinder, Verliebte und Freunde – alles ganz im Stil des Sozialistischen Realismus. Richter selbst bezeichnete das Werk als "Jugendsünde". Sein bildnerisches Schaffen ließ der Künstler ohnehin erst mit den späteren Werken, entstanden in Düsseldorf, beginnen.

Was ist der Sozialistische Realismus? Sozialistischer Realismus nennt man die offizielle Kunstdoktrin der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten der 1930-1980er Jahre. Die Leitlinien waren: Einerseits die Verherrlichung des Sozialismus im Sinne eines marxistisch-lenistischen Weltbildes, andererseits der Umstand, dass Kunst zur Erziehung instrumentalisiert worden ist. Merkmale sind: – realistische Darstellung des Figurenpersonals – Betonung des Alltags, der Gegenwart – Positiv-optimistische Aufbruchsstimmung, die stark in die Zukunft zeigt – Fokus liegt auf der Arbeiterklasse z. B. Arbeitern und Bauern – Verherrlichung von Feldherren als Helden Allg. gesprochen galt der sozialistische Realismus der Kunst als Erziehungs- und Propagandamittel und wurde 1932 in der Sowjetunion zur verbindlichen Norm, prägte später auch die DDR. Richter galt der sozialistische Realismus als Verhandlungsgrundlage seiner Kunst zur damaligen Zeit, die Basis, die ihm gelehrt wurde. Dennoch: Bei all späteren Stilbrüchen, an denen sich Richter abarbeitete: Aufgrund des handwerklichen Fundaments, das er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden erfahren hatte, war er stets handwerklich sehr, sehr hochstehend.

Der Westen öffnete Richter die Augen

1955

1956

1959

Reise durch Westdeutschland

Wandbild "Lebensfreude" in Dresdner Hygienemuseum

Besuch der documenta 2

Karl Otto Götz: „o. T.“

Werkverzeichnisnummer: WVP-31/62

Jahr: 1962

1955: Gerhard Richter reiste durch Westdeutschland. Hier lernte er aktuelle Strömungen in der Kunst kennen. Natürlich war dies Kunst, die in der DDR nicht gezeigt worden ist, u.a. Abstrakter Expressionismus, der Informel, die frühe Pop Art aus den USA. So sah Richter Werke von Willi Baumeister, Fritz Winter, Emil Schumacher oder Karl Otto Götz. Besuche in der Kunsthalle Düsseldorf, dem Museum Ludwig in Köln oder etwa dem Städtischen Kunstmuseum Bonn waren möglich.​​​

Gerhard Richters Schlüsselerlebnis: Fotoausstellung "the family of a man"

Auch sah der Künstler die Fotografieausstellung „The family of a man“, die ursprungs im Moma in New York, dann auch als Wanderausstellung in Berlin gezeigt worden ist. Diese Ausstellung umfasste 503 Fotografien von 273 international anerkannten Foto-Künstlern. Ziel der Ausstellung war die Vermittlung einer universellen Sprache der Fotografie, um eine kollektive Menschlichkeit, unabhängig von Rasse, Kultur oder Religion, zu pushen. Der Künstler Richter sah, welche Wirkungsmacht ein Foto haben kann – entscheidend für seine weitere. künstlerische Laufbahn.

 

1959: Begeistert von der Kunst des Westens, reiste er zur documenta 2 nach Kassel. Hier lernte er Werke des abstrakten Expressionismus, des Informel und vor allem die Drip Paintings von Jackson Pollock kennen, dessen „Frechheit“ in Richter lange nachhallen sollte. Generell betrachtet, erkannte Richter nun, was zur damaligen Zeit en vogue war und sah recht schnell, dass ihn der ideologisch aufgeladene Sozialistische Realismus, seine künstlerische Wiege, weitestgehend einengte und beschnitt. Er bemerkte nun, dass andere Künstler bereits viel weiter waren als er.

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Gerhard Richter erkannte den Widerspruch

Richter erkannte plötzlich den Widerspruch: Es klaffte eine Lücke zwischen den unterdrückten Kunstkonventionen im Osten und dem freien Ausdruck West-Kunst. Dies führte schließlich zu seiner Emigration in den Westen.

Jackson Pollock: "Convergence"

Jahr: 1952

Richters Flucht in den Westen

1961

Gerhard Richter flieht nach Westdeutschland kurz vor dem Mauerbau

1961-63

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

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Nam June Paik

1961: Richter flieht und bekommt ein Stipendium an der Kunstakademie Düsseldorf. Dort sieht er sich plötzlich den Einflüssen von Joseph Beuys, Cy Twombly, Karl Otto Götz (sein Klassenlehrer, dessen Werke er bereits bei der documenta 2 gesehen hatte) sowie Robert Rauschenberg ausgesetzt.

Zudem war die Fluxus-Bewegung damals in Düsseldorf tonangebend: Mit interaktiven Kunstaktionen und Performances belebte sie die ganze Stadt. Kurzum: Richter fand sich inmitten eines vollkommen anderen Milieus als er dies aus dem konventionellen Osten kannte.​​

Was ist Fluxus? Richter wurde nach dem Imperativ des sozialistischen Realismus ausgebildet, was die offizielle Kunstdoktrin der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten der 1930-80er Jahre war. Die Leitlinien waren: Zum einen die Verherrlichung des Sozialismus, die Erziehung der Bevölkerung durch Kunst im Sinne eines marxistisch-leninistischen Weltbildes. Durch: • realistische Darstellung des Figurenpersonals, Betonung des Alltags, der Gegenwart • Positiv-optimistische Aufbruchsstimmung, die in die Zukunft zeigt • Fokus lag auf der Arbeiterklasse, z. B. Arbeitern, Bauern • Verherrlichung von Feldherren als Helden • Allg. gesprochen galt der sozialistische Realismus der Kunst als Erziehungs- und Propagandamittel und wurde 1932 in der Sowjetunion zur verbindlichen Norm erklärt • Richter galt der sozialistische Realismus als Verhandlungs-grundlage seiner Kunst • Dennoch: Bei all späteren Stilbrüchen, an denen sich Richter abarbeitete: Aufgrund des Fundaments, das er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden erfahren hatte, war er stets im Vergleich zu anderen Künstlern handwerklich sehr, sehr hochstehend.

Richter: "Ich habe die Scheissmalerei satt!"

Richter zeigt sich beeinflusst, offen, war am Ausprobieren, schließlich aber höchst überfordert und von Grund auf irritiert, was ihn an seiner Malerei stark zweifeln ließ. Dies führte schließlich sogar zu der Äußerung: „Ich habe die Scheissmalerei satt!“ Es war eine absolute Umbruchphase für ihn und irgendwie war er zunächst verloren.

Dennoch: Selbst in dieser Umbruchphase erschien ihm die Malerei als unumgänglich: „(Die Malerei) ist Kommunikationsmittel, für das Bemühen um Fixierung der Anschauung, für die Bewältigung der Erscheinungen.“ (...) Denn „(m)an möchte das, was man sieht, was überhaupt da ist, begreifen und versucht es abzubilden.“ (...) Richters künstlerischer Kompass ging eindeutig gen sichtbare Welt.

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Richter stand vor einem Problem

Er stand vor einem Problem. Die abstrakte Malerei galt für Richter als per se überholt, und richtet sich nur nach innen, ein geschlossenes System also, losgelöst von der sichtbaren Wirklichkeit, eine Abkehr von der sichtbaren Welt.

 

Gleichzeitig erkannte Richter: Eine Kunst, die die Natur kopiert, ist kein neuer Ansatz mehr und schließlich nicht mehr tragfähig. Verfolgt man seine persönlichen Notizen, richtet er seinen Fokus zu jener Zeit stark auf die Unterscheidung zwischen Erscheinung und Realität, Zitat: „Ich misstraue nicht der Realität, von der ich ja so gut wie gar nichts weiss, sondern dem Bild von Realität, das uns unsere Sinne vermitteln, und das unvollkommen ist, beschränkt.“ (Schön, 1972, S. 60)

Gerhard Richter und das No-menum

Er beschwört damit ein grundlegend philosophisches Problem herauf, das auf Kant zurückgeht und später auf Schopenhauer übergeht. Das Grundproblem besteht darin, dass unsere Realität, das, was wir als wirklich sehen, lediglich indirekt erfahren wird. Sie wird uns in mentalen Bildern dargestellt, hergeleitet mithilfe unserer Sinne: „Wir können uns doch nicht auf das Bild von Wirklichkeit verlassen, das wir sehen; denn wir sehen es doch nur, wie es uns unser Linsenapparat Auge zufällig vermittelt, plus den sonstigen Erfahrungen, die dieses Bild korrigieren.“ (Schön, 1972, S. 60)
 

Richter zielt auf das No-menum ab, ein Begriff von Kant und Schopenhauer. No-menon: das bloß Gedachte, objektiv nicht Wirkliche; ein Begriff ohne Gegenstand, das mit dem Geist zu Erkennende im Gegensatz zu dem mit den Augen zu Sehende.

 

Denn das, was wir sehen, ist uns von den Sinnen hergeleitet, die Natur der unseren, äußeren Welt bleibt unerkennbar, unerklärlich und rätselhaft.

Richters Flucht in den Westen

1961

Gerhard Richter flieht nach Westdeutschland kurz vor dem Mauerbau

1961-63

Studium an der Kunstakademie Düsseldorf

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Nam June Paik

1961: Richter flieht und bekommt ein Stipendium an der Kunstakademie Düsseldorf. Dort sieht er sich plötzlich den Einflüssen von Joseph Beuys, Cy Twombly, Karl Otto Götz (sein Klassenlehrer, dessen Werke er bereits bei der documenta 2 gesehen hatte) sowie Robert Rauschenberg ausgesetzt.

Zudem war die Fluxus-Bewegung damals in Düsseldorf tonangebend: Mit interaktiven Kunstaktionen und Performances belebte sie die ganze Stadt. Kurzum: Richter fand sich inmitten eines vollkommen anderen Milieus als er dies aus dem konventionellen Osten kannte.​​

Was ist Fluxus? Richter wurde nach dem Imperativ des sozialistischen Realismus ausgebildet, was die offizielle Kunstdoktrin der Sowjetunion und anderer sozialistischer Staaten der 1930-80er Jahre war. Die Leitlinien waren: Zum einen die Verherrlichung des Sozialismus, die Erziehung der Bevölkerung durch Kunst im Sinne eines marxistisch-leninistischen Weltbildes. Durch: • realistische Darstellung des Figurenpersonals, Betonung des Alltags, der Gegenwart • Positiv-optimistische Aufbruchsstimmung, die in die Zukunft zeigt • Fokus lag auf der Arbeiterklasse, z. B. Arbeitern, Bauern • Verherrlichung von Feldherren als Helden • Allg. gesprochen galt der sozialistische Realismus der Kunst als Erziehungs- und Propagandamittel und wurde 1932 in der Sowjetunion zur verbindlichen Norm erklärt • Richter galt der sozialistische Realismus als Verhandlungs-grundlage seiner Kunst • Dennoch: Bei all späteren Stilbrüchen, an denen sich Richter abarbeitete: Aufgrund des Fundaments, das er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden erfahren hatte, war er stets im Vergleich zu anderen Künstlern handwerklich sehr, sehr hochstehend.

Richter: "Ich habe die Scheissmalerei satt!"

Richter zeigt sich beeinflusst, offen, war am Ausprobieren, schließlich aber höchst überfordert und von Grund auf irritiert, was ihn an seiner Malerei stark zweifeln ließ. Dies führte schließlich sogar zu der Äußerung: „Ich habe die Scheissmalerei satt!“ Es war eine absolute Umbruchphase für ihn und irgendwie war er zunächst verloren.

Dennoch: Selbst in dieser Umbruchphase erschien ihm die Malerei als unumgänglich: „(Die Malerei) ist Kommunikationsmittel, für das Bemühen um Fixierung der Anschauung, für die Bewältigung der Erscheinungen.“ (...) Denn „(m)an möchte das, was man sieht, was überhaupt da ist, begreifen und versucht es abzubilden.“ (...) Richters künstlerischer Kompass ging eindeutig gen sichtbare Welt.

Ausbildung

2015-2017

Abschluss

Dies ist dein Ausbildungsabschnitt. Beschreibe deinen Abschluss und andere relevante Highlights deiner Ausbildung. Füge wichtige Qualifikationen und Kompetenzen hinzu und denke daran, die Daten und den Untertitel anzupassen.

2011-2014

Abschluss

Dies ist dein Ausbildungsabschnitt. Beschreibe deinen Abschluss und andere relevante Highlights deiner Ausbildung. Füge wichtige Qualifikationen und Kompetenzen hinzu und denke daran, die Daten und den Untertitel anzupassen.

2007-2010

Abschluss

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